KLEINE ZEITUNG / Regina Trummer (19.07.2008)
TRAUMREISE IN DIE OSTSTEIRISCHE EXOTIK
...Die vom Bildhauer Karl Karner aus Raabau bei Feldbach und der Prager Choreographin Linda Samaraweerova konzipierte und umgesetzte Performance "Travel Delights", die im Rahmen der regionale08 in Feldbach gezeigt wird, spielt virtuos mit den Klischees internationaler Reisekataloge, lässt aber auch hastige Monologe über die Vorteile selbst zusammengeschraubter Berge und die besondere Bedeutung eines Siegespokals vom Stapel...



-> der ganze Artikel ...
regionale08: Die Performance "Travel Delights" lässt ferne Ziele ganz nahe rücken.
Der exotische Wunderwelten verheißenden Singsang katapultiert den überraschten Reiseteilnehmer per Video in ein oststeirisches Wintermärchen voller bunter Architekturen. Der blondmähnigen Versuchung, die einladend mit den Hüften wippt und sich auf der Gummiente räkelt, will man die Einladung auch dann nicht abschlagen, wenn sie mit Maske zum Schnabeltier
mutiert und sehr direkte Aufforderungen zu Vergnügungen hinter dem pinken Schleiervorhang macht.

"Travel Delights". Die vom Bildhauer Karl Karner aus Raabau bei Feldbach und der Prager Choreographin Linda Samaraweerova konzipierte und umgesetzte
Performance "Travel Delights", die im Rahmen der regionale08 in Feldbach gezeigt wird, spielt virtuos mit den Klischees internationaler Reisekataloge, lässt aber auch hastige Monologe über die Vorteile selbst zusammengeschraubter Berge und die besondere Bedeutung eines Siegespokals vom Stapel. Scheinbare Gegensätze verschwimmen unter der Flut heißer Rhythmen bis Prinz und Prinzessin auf weißen Pferden ins Happy End gleiten.

Traumfabrik. "In unserem Projekt geht es um Traumfabrik und Mechanismen des Tourismus, egal in welchem Land. Die oststeirische Landschaft mit ihren vielen privaten Märchenschlössern hat uns inspiriert", setzen die beiden Künstler die Verfremdung als Mittel zur Erzeugung von Nähe ein. Eine Nähe, die das comicartige Schnabelwesen - seit einigen Jahren als "öffentlicher Körper" zum ständigen Begleiter aller ihrer Choreographien geworden - konterkariert. Samaraweerova: "Man schlüpft in eine andere Rolle und spielt damit, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält."

Die vom Publikum begeistert aufgenommene Traumreise wird am Sonntag, im Veranstaltungszentrum Feldbach (20 Uhr) noch einmal angetreten.
Text als: PDF



DER STANDARD / Helmut Ploebst (Print-Ausgabe, 17.3.2008)
SCHMELZENDE KATZE
KÜNSTLERPAARE BEIM FESTIVAL IMAGETANZ IM WIENER BRUT: "WE" und "Der öffentliche Körper: karl karner gestorben am..."
Das Aushebeln von Logiken und das Sichtbarmachen verborgener Ansprüche liegt den Künstlerpaaren sichtlich, die Kooperation zwischen Choreografin und bildendem Künstler erweist sich als Erfolgsrezept.
-> der ganze Artikel ...
Wien - Paarbildungen sind in den Autorenkonstellationen der zeitgenössischen Choreografie keine Seltenheit. Und zuweilen funktionieren sie gut wie etwa deufert + plischke oder Emio Greco mit Pieter C. Scholten. Das Festival imagetanz im Wiener brut zeigte nun außergewöhnlich gelungene Arbeiten österreichischer Künstlerpaare: WE von Amanda Piña & Daniel Zimmermann
und Der öffentliche Körper: karl karner gestorben am ... von Linda Samaraweerová & Karl Karner.
Piña/Zimmermann übertragen das Gruppenbild ihres auf der Zuschauertribüne sitzenden Publikums live auf eine Leinwand. In diesen virtuellen Spiegel setzen die Künstler comichafte Gedankenblasen wie: "Wow, schau ich toll aus heute. "und "Did I turn off my phone?" Eine Person bedauert angesichts dessen, was sich hier darbietet: "Oh nein, wenn ich das gewusst hätte ..." Alles Gedanken, die Zuschauern kommen können, während sie im Theater sitzen. Mit Witz, Menschenkenntnis und gekonnter Dramaturgie gerät WE zu einem Fest des Wiedererkennens, der Identifikation mit dem eigenen Spiegelbild und des Vergnügens an der Rollenzuweisung.
Karner/Samaraweerová bringen ihre von früher bekannte Donald-Duck-Abwandlung in ein Spiel über die Pataphysik der Performance. Ein Apparat aus Schläuchen und Föns, die eine Wachskatze aufschmelzen, eine an Seilen hängende Frau, ein Laser-Vermessgerät, ein raffinierter Score aus Musik und ironischen Körperszenen. All dies in einer Installation mit einem sinnleeren
Ritualplatz - das lässt Raum für Spekulationen. Auch da fragen Sprechblasen: "Welche Farbe nimmt ein Schlumpf an, wenn man ihn würgt?"
Das Aushebeln von Logiken und das Sichtbarmachen verborgener Ansprüche
liegt den Künstlerpaaren sichtlich, die Kooperation zwischen Choreografin und
bildendem Künstler erweist sich als Erfolgsrezept.



KORSO KULTUR ARTBox / Wenzel Mracek (Mai 2008)
EICHÖRNCHEN UND SCHNABELWESEN: Karl Karner, Linda Samaraweerová und "der öffentliche Körper"
..Die Weiterentwicklung der wie immer zu interpretierenden Erzählungen führte zur Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Linda Samaraweerová. Seit drei Jahren bauen der Bildhauer und die Tänzerin ihr Projekt Der öffentliche Körper in Performances immer weiter aus...

-> der ganze Artikel:  online  / PDF






CORPUS / 6.4.2008
LUZIFER, DER WARTENDE HUND    
IMAGETANZ I: EIN GESPRÄCH ÜBER LINDA SAMARAWEEROVÁ & KARL KARNER, RADEK HEWELT UND MICHAEL O'CONNOR

Zunge: Wann ist Karl Karner gestorben?
Finger: Karner ist ein so vitaler Künstler, daß er gar nicht leben kann, ohne täglich wenigstens einmal zu sterben.
Schuh: Kann man sich die Sprache noch aussuchen?
Wirbelsäule: Hängt von dem Spiel ab, das du spielst.
Schuh: Na gut, dann so. Ich glaube, daß Karl Karner mit einem ganz bestimmten Tod tanzt. Nämlich mit dem, der dich ereilt, sobald du dich ans Licht der Öffentlichkeit stellst. In diesem Moment stirbt das ab, was du vorher warst. Das gibt hier ja auch der Stücktitel vor: „Der öffentliche Körper: karl karner, gestorben am...“.


-> der ganze Artikel: www.corpusweb.net







CORPUS / Judith Helmer (10.03.2007)
KARNER / SAMARAWEEROVÁ: "KÖRPERLICHKEIT UND VIRTUOSITÄT" imagetanz 2007 in dietheater Künstlerhaus, Wien
...Es sind kleine, feine Beobachtungen, die auf das große Ganze zielen, ohne belehrend daherzukommen. Beeindruckend ist das Feingefühl, mit der die junge „P.A.R.T.S.“- Absolventin ihre performativen Mittel zu verwenden versteht. Videos auf der Leinwand oder dem TV-Bildschirm werden live und aufgezeichnet mit einer schlichten Virtuosität eingesetzt, die auch das Ineinanderweben der kurzen Szenen und Bilder und die Wahl der Musik auszeichnet...
-> der ganze Artikel ...
„Der öffentliche Körper" ist das Gebilde, an dem sich der Bildhauer Karl Karner und die Choreografin Linda Samaraweerová in einem Langzeitprojekt seit zwei Jahren gemeinsam abarbeiten. Im Rahmen des Festivals imagetanz war nun eine sympathische, genau gearbeitete Szenencollage rund um das „Subthema" Virtuosität im Künstlerhaustheater zu sehen. Signalhaft dabei ist eine von Karner geschaffene, comichafte Schnabelmaske. Mit ihr über dem Kopf wird Samaraweerová zum entpersonalisierten, beliebigen und beispielhaften „öffentlichen" Körper. In der Trainingsanzug-Uniform der Jugendkultur verausgabt sie ihn durch exhaltierten Lauf, lässt ihn zu Disconummern tanzen oder verwendet ihn als punktgenau gesteuerten Motor eines Ballspiels, das Ursache und Wirkung nivelliert. Training und präzise Anleitung seien der Schlüssel zu diesem Erfolg, erklärt sie via Mikrophon vom Siegerpodest herunter und sammelt selbstbewusst aus einer Reihe von Pokalen die zwei größten und schönsten für sich heraus. Virtuosität setzt Öffentlichkeit voraus, lautet Samaraweerovás These, und spannend ist sie, weil sie „mehr über die Zeit, in der sie als solche anerkannt wird aussagt, als über die Art, wie sie beschaffen ist", wie es im Programmheft heißt. Die Choreografin spürt aber auch alltägliche Virtuosität auf, etwa in den Arbeitsabläufen eines Briefträgers: In Sportreportermanier mit den Spannungsbögen spielend, untermalt die Tänzerin Ondine Cloez mit exakten Gesten ihre Schilderung des Postaustragens. Es sind kleine, feine Beobachtungen, die auf das große Ganze zielen, ohne belehrend daherzukommen. Beeindruckend ist das Feingefühl, mit der die junge „P.A.R.T.S.“- Absolventin ihre performativen Mittel zu verwenden versteht. Videos auf der Leinwand oder dem TV-Bildschirm werden live und aufgezeichnet mit einer schlichten Virtuosität eingesetzt, die auch das Ineinanderweben der kurzen Szenen und Bilder und die Wahl der Musik auszeichnet. [juhe, 10.3.2007]






DER STANDARD / Helmut Ploebst (19.09.2006)
DIE REISE EINER GUMMIENTE - Zwei Choreografien von Linda Samaraweerová im WUK
...Das Außergewöhnliche des spannenden Abends ist der Nachweis, dass die Absolventin der berühmten belgischen Schule P.A.R.T.S. sich gleichzeitig und gleichermaßen sicher sowohl der choreografischen Performance als auch der rein tänzerischen Bewegungskomposition bedient. Diese Verbindung von archetypischen Gegensätzen in der zeitgenössischen Choreografie macht Samaraweerová zu einer Schlüsselfigur des jüngsten österreichischen Gegenwartstanzes...
-> der ganze Artikel ...
Wien – Eine Fahrt über eine winterliche Straße wird zum Besuch in einem rustikal möblierten Haus und endet mit einem Ritt einer Prinzessin und ihres Prinzen im Schnee. Dieser Teil der Video-Ebene von Travel Delights, der gerade im WUK laufenden jüngsten Uraufführung der in Prag geborenen Choreografin Linda Samaraweerová ist das virtuelle Hintergrundrauschen einer zauberhaften Reise. Es ist ein Trip durch Methoden des Erzählens und des Lesens in einer Ausweitung der Bühne zur Spielzone. Das Publikum kann zwischen drei verschiedenen Geschichten wählen. Es begegnet einer Figur, die sich gerne als Plastikente maskiert, einen Film zeigt, in dem eine Landschaft aus reiner bildender Kunst gebaut wird, einer Tänzerin im Tigermini, die sich mit Wegwerfkameras blitzen lässt. Das fabelhafte, zusammen mit dem Künstler Karl Karner konzipierte Solostück kommt im Doppelpack mit einem ganz und gar tänzerischen Quartett, Sekunden zur Auswahl, daher. Hier verstricken sich Körper und
Identitäten zu einer Abhandlung der Koexistenz von "siamesischen Kontrastzwillingen": virtuos, gewitzt und hochästhetisch, vor allem durch den Tanz von Samaraweerová selbst und Lea Capková. Das Außergewöhnliche des spannenden Abends ist der Nachweis, dass die Absolventin der berühmten belgischen Schule P.A.R.T.S. sich gleichzeitig und gleichermaßen sicher sowohl der choreografischen Performance als auch der rein tänzerischen Bewegungskomposition bedient. Diese Verbindung von archetypischen Gegensätzen in der zeitgenössischen Choreografie macht Samaraweerová zu einer Schlüsselfigur des jüngsten österreichischen Gegenwartstanzes.